Hitzewellen machen Wohnungen zur Hitzefalle
Über 32 Grad in einer Wohnung sind nicht nur unangenehm. Für ältere Menschen können solche Temperaturen zur gesundheitlichen Belastung werden. Aktuelle Messungen in Wiener Seniorenwohnungen zeigen, wie stark sich Innenräume während Hitzeperioden aufheizen – und warum Raumluftqualität gerade im Sommer eine wichtige Rolle spielt.
Aktuelle Messungen der BOKU University, Greenpeace und des Österreichischen Seniorenrats in zwölf Wiener Wohnungen zeigen die Dimension der Belastung: In sieben Wohnungen wurden mehr als 30 °C gemessen, in vier sogar über 32 °C. In einzelnen Wohnungen blieb die Temperatur an bis zu 26 Tagen über 30 °C. Damit wird deutlich: Hitzeschutz beginnt nicht erst bei 35 Grad.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit gemeinsam betrachten
Bei der Hitzebelastung zählt nicht allein die Temperatur. Auch die Luftfeuchtigkeit beeinflusst, wie gut der Körper Wärme abgeben kann. Bei hoher Luftfeuchtigkeit funktioniert die Kühlung über die Verdunstung von Schweiß schlechter – die Hitze wird dadurch belastender.
Deshalb wurden bei der BOKU-Untersuchung neben der Temperatur auch die Luftfeuchtigkeit erfasst. Für die Beurteilung des Raumklimas sollte daher nicht nur gefragt werden: „Wie viele Grad hat es?“, sondern auch: Wie hoch ist die Luftfeuchtigkeit und wie lange hält die Belastung an?
„Die vergangenen Monate waren ein Stresstest“
Dr. Herbert Formayer, Professor für Meteorologie und Klimatologie an der BOKU, war an der Untersuchung beteiligt. Die Ergebnisse zeigen, wie sehr sich die Anforderungen an unsere Wohnräume durch zunehmende Hitze verändern.
„Wien hat diesen Sommer so viele Hitzetage und Tropennächte wie noch nie erlebt. Das ist keine Ausnahme, sondern die Folge der Klimakrise, die die Bevölkerung mit voller Härte trifft.“, Dr. Herbert Formayer, BOKU University
Besonders stark heizen sich Wohnungen auf, die direkt besonnt werden und über keine außenliegende Beschattung verfügen.
Weitere Informationen im BOKU Factsheet Hitzemessungen 2026 – Download Link zu den Messungen im Text.
Was gegen Hitze in Innenräumen hilft
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen auch, dass bauliche Voraussetzungen und das Verhalten der Bewohner entscheidend sind. Besonders wichtig ist, die Hitze möglichst gar nicht erst in die Wohnung gelangen zu lassen.
„Raumluftqualität wird häufig auf Frischluft und CO₂ reduziert. Gerade im Sommer zeigt sich, wie wichtig das Zusammenspiel verschiedener Faktoren ist. Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflussen die Hitzebelastung in Innenräumen und sollten gemeinsam mit CO₂ betrachtet werden. Gesunde Raumluft ist damit auch eine Frage des Hitzeschutzes.“; Peter Skala von der Plattform MeineRaumluft
Tipps von MeineRaumluft
Messen statt nur fühlen: Ein einfaches Thermo-Hygrometer zeigt Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit gleichzeitig an. So lässt sich besser einschätzen, wie belastend das Raumklima tatsächlich ist – und ob Maßnahmen wie Lüften, Beschatten oder Abkühlen notwendig sind.
- Außenliegenden Sonnenschutz nutzen: Rollläden, Jalousien oder Markisen halten die Sonnenenergie bereits vor dem Fenster ab.
- Zum richtigen Zeitpunkt lüften: Fenster möglichst dann öffnen, wenn die Außenluft kühler ist – vor allem frühmorgens und nachts.
- Tagsüber Hitze draußen halten: Sind die Außentemperaturen höher als innen, sollte unnötiges Lüften vermieden werden.
- Wärmequellen reduzieren: Elektrogeräte, Beleuchtung und andere Wärmequellen erzeugen zusätzliche Wärme.
- Nächtliche Abkühlung beobachten: Besonders kritisch wird es, wenn sich die Wohnung auch über Nacht nicht ausreichend abkühlt.
Gerade bei älteren Menschen können Messwerte eine wichtige Orientierung bieten, bevor die Hitze subjektiv als belastend empfunden wird.
Ein weiterer, themenrelevanter Artikel von MeineRaumluft: „Wenn die Hitze einzieht, 9 Tipps für Home & Office“.
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