Fachbeitrag von OA Assoz. Prof. Priv.-Doz. DI rer. nat. tech. Dr. med. univ. Hans-Peter Hutter (Oberarzt am Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien) zum Thema Luftionen

Luftionen entscheidend für gesundes Raumklima

Neue Studie belegt: Luftionen haben positive Wirkung auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit

Neben Indikatoren wie der Lufttemperatur, der Luftfeuchtigkeit und dem O2– bzw. CO2- Gehalt ist vor allem der Ionengehalt im Raum entscheidender Faktor für eine gute und gesunde Raumluft. Zu diesem Schluss kommt eine neue, noch unveröffentlichte Studie der österreichischen Umweltmediziner DI Dr. Hans-Peter Hutter, Dr. Michael Kundi und Dr. Peter Wallner. In einer vergleichenden Studie über die bislang nur wenig erforschte Rolle der Luftionen bei der Luftqualität in geschlossenen Räumen konnten die Wissenschaftler einige zentrale Schlußfolgerungen ziehen: So zeigte sich, dass die in Räumen mit unterschiedlicher Luftqualität beobachteten Probanden bei einer höheren Luftionen-Konzentration spürbar bessere Werte bei Leistungsfähigkeit und Aktivierung aufwiesen. “Hinsichtlich der geistigen Leistungsfähigkeit fanden sich hochsignifikante Unterschiede zwischen den Räumen. Im Raum mit höherer Luftionenkonzentration wurde etwa die Hälfte der Aufgaben deutlich besser gelöst.“ beobachteten die Wissenschaftler. Und: „Insgesamt zeigte diese experimentelle Untersuchung, dass eine höhere Konzentration an Luftionen vitalisierende, aktivierende und leistungssteigernde Wirkung hat.“

Luftionen – wichtiger Indikator für gesunde Raumluft

Ionen sind elektrisch geladene Moleküle, die für den „Frische–Faktor“ in der Luft verantwortlich sind. So liegt z.B. der Ionen-Anteil in der Nähe von Wasserfällen, in Waldgebieten und im Gebirge – also in denjenigen Regionen, die für ihre „frische und gesunde Luft“ bekannt sind – bis zu 70.000 Ionen pro Kubikzentimeter. In geschlossenen Räumen hingegen, je nachdem welche Beschaffenheit und Bedingungen vorliegen, werden maximal zwischen 0–500 Ionen pro Kubizentimeter gemessen.

Ziel der Studie war es, die günstigen Eigenschaften einer hohen Konzentration an Luftionen auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden zu überprüfen. Um eine „sterile“ Laboratmosphäre zu vermeiden und um eine alltagsähnliche Situation herzustellen, wurden die experimentellen Untersuchungen in zwei behaglich eingerichteten Wohnräumen durchgeführt. Die Wohnräume unterschieden sich einzig in der Luftionen-Konzentration. Die konstanten Raumbedingungen wurden von unabhängigen Messinstituten vor und während der Untersuchung überprüft.

Die Probanden wurden immer zur selben Tageszeit am selben Wochentag in einwöchigem Abstand und in zufällig geordneter Reihenfolge getestet. Untersucht wurden vor den Aufenthalten in den Versuchsräumen der allgemeine Zustand und die Tagesverfassung. Zudem wurden vor und nach den zweistündigen Aufenthalten in den Testräumen die Lungenfunktion überprüft und Valsalva-Manöver (zur Untersuchung der Reaktionsfähigkeit des Kreislaufsystems) durchgeführt. Herzfrequenz und Herzratenvariabilität wurden mittels tragbarem EKG während der gesamten Untersuchung gemessen, um u.a. Rückschlüsse auf den Status des vegetativen Nervensystems zu ziehen. Darüberhinaus erfolgten während des Aufenthalts in den Untersuchungsräumen standardisierte Erhebungen der Befindlichkeit und kognitive Leistungstests.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Die Studie zeigte, dass eine höhere Konzentration an Luftionen eine vitalisierende, aktivierende und leistungssteigernde Wirkung hat. Der Mensch ist von Natur aus darauf programmiert, bei körperlicher Ruhe das Kreislauf- und Atemsystem zu verlangsamen, um Energie zu sparen. Dabei kommt es zu einem Abfall des Aktivierungsniveaus. Da aber unter Zivilisationsbedingungen gerade bei körperlicher Ruhe – zumeist im Sitzen – geistige Leistung erbracht werden soll, ergibt sich ein Widerspruch, der individuell unterschiedlich gelöst wird. Manch einer versucht, mittels Genuss von zuckerhaltigen, energiereichen Lebensmitteln, Koffein oder gar Nikotin dem Leistungsabfall entgegen zu wirken, der andere wiederum lässt sich von Musik beflügeln.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass der Prozess der Deaktivierung bei höherer Luftionenkonzentration gemildert wird und so zu günstigeren Bedingungen für kognitive Leistungsfähigkeit führt. Zudem konnte eine positive Wirkung auf das vegetative Nervensystem und damit auf das Herzkreislaufsystem nachgewiesen werden.

Die Studie:

Einfluss von Luftionen in Innenräumen auf Wohlbefinden, Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Autoren:

OA Assoz. Prof. Priv.-Doz. DI Dr. med. Hans-Peter Hutter
Univ.-Prof. Dr. Michael Kundi
Dr. Peter Wallner

Wien, Mai 2011

Literatur

  • Eichmeier J (1964): Eigenschaften und biologische Wirkungen atmosphärischer Kleinionen.
    Umschau 14:420-422.
  • Fischer G, Kobinger W (1991): Arbeitsmedizinische Ergebnisse bei künstlicher Luftionisation.
    Atemw-Lungenkrkh 17, 1. Beiheft: B78-B80.
  • Flory R, Ametepe J, Bowers B. (2010): A randomized, placebo-controlled trial of bright light and high-density negative air ions for treatment of Seasonal Affective Disorder.
    Psychiatry Res. 177:101-8.
  • Jorde W, Schata M (1979): Inhalation unipolarer Ionen. Atemw-Lungenkrkh 5:443-453.
  • König H (1986): Unsichtbare Umwelt. 5. Aufl.
    Eigenverlag, München.
  • Moser M, Auerbach D, Frohmann E, Grote V, Lackner H, Messerschmidt D, Muhry F, Zeiringer C (2004): Wasserfallelektrizität – Wirkung von Luftionen auf die Gesundheit. In: Voigt Beatrice, in Beitrag von Moser Max, Wasser – Schatz der Zukunft. Impulse für eine nachhaltige Wasserkultur. 1, 172;
    Oekom. Gesellschaft für Ökologie, München.
  • Varga A (1981): Grundzüge der Elektrobioklimatologie. E. Fischer, Heidelberg.