Fachbeitrag von Dr. Dr. U. Petra Zieglmayer (Allergiezentrum Wien West) zum Thema Innenraumallergene

Aus allergologischer Sicht sind alle Raumluftparameter relevant, die das Vorhandensein bzw. die Konzentration von Inhalationsallergenen beeinflussen. Diese Inhalationsallergene können in Folge allergische Reaktionen auslösen – d.h. zu einer Überreaktion des Körpers auf bestimmte Substanzen führen. Die wichtigsten potentiellen Allergenquellen im Innenraumbereich sind:

Hausstaubmilben, Tierepithelien, Schimmelpilzsporen sowie primär saisonal Pollen der Pflanzen aus dem Outdoor-Bereich. Pflanzen in den Innenräumen spielen nur ausnahmsweise eine Rolle.

Hausstaubmilben siedeln sich in jedem textilen Material innerhalb weniger Wochen an und sind daher ubiquitär vorkommend. Sie leben mit uns das ganze Jahr und lieben das gleiche Raumklima wie wir Menschen- feucht und warm soll es sein. Unangenehm wird es für Hausstaubmilben, wenn`s kalt ist und noch mehr bei Trockenheit. Allergenkarenzmaßnahmen sind therapeutisch ganz wesentlich und vor Allem im Schlafbereich anzustreben; wo eine Entfernung des Textils (möglich bei Teppichen, Vorhängen, Wandbespannungen) oder Austrocknung physikalisch (z.B. Wäschetrockner oder Tiefkühler) nicht möglich ist (z.B. Matratze), ist eine allergiedichte Abdeckung (sog. „Encasing“) eine Option.

Bei Tierepithelien sind die Allergene auch nach Entfernung des Haustieres nach einem Jahr noch immer nachweisbar, eine Karenz in öffentlichen Bereichen (z.B. Schule) ist nicht möglich. Jede Belüftungssituation, die zu einer Verwirbelung von Staub in der Luft führt, belastet den allergischen Patienten. Daher ist neben einer feuchten Reinigung eine gute Belüftung, die in kurzer Zeit zu einem Austausch großer Luftmengen führt („Stoßlüftung“) anzustreben. Das Gleiche gilt für Schimmelpilze: Schimmelpilzsporenbelastungen sind durch die Regulation des Raumklimas unmittelbar beeinflussbar; es finden sich die höchsten Konzentrationen im Bereich von Kältebrücken (Fenster), sowie an minderbelüfteten und/oder feuchten Stellen (Badezimmer, Sockelleisten). Eine entsprechende Sanierung reduziert die Indoor-Belastung, hat aber keinen Einfluss auf die saisonalen Konzentrationen in der Außenluft (v.a. August).

Die Allergenbelastung im Außenbereich kann über den Polleninformationsdienst, der auch der Tagespresse während der gesamten Vegetationsperiode zu entnehmen ist, abgefragt werden. Zu Zeiten der höchsten Allergenbelastungen sollten die Fenster geschlossen beleiben, um ein Eindringen in die Wohnräume zu vermeiden. Für saisonale Pollenbelastungen, die wetterabhängig oft unmittelbar nach kurzen Regengüssen am höchsten sind, gilt: Die zirkadianen Konzentrationen im städtischen Bereich (steigen abends noch an) unterscheiden sich von denen im ländlichen Bereich (fallen mit sinkender Temperatur). Der Einfluss im Indoor-Bereich kann damit durch eine Belüftung zur richtigen Zeit (im Zweifelsfall nachts bzw. vor Sonnenaufgang) sowie durch eine mechanische Entfernung der mitgebrachten Pollen (Kleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen, duschenauch den Kopf) merkbar reduziert werden.

Die Symptome einer Allergie können mild bis schwerwiegend und in einigen Fällen sogar akut lebensbedrohlich sein. Wo Allergenvermeidung nicht ausreichend möglich ist (z.B. Aufenthalt in Innenräumen zu Zeiten höchster Pollenkonzentrationen), bietet die moderne Medizin eine ganze Palette an therapeutischen Optionen: angefangen bei physikalischen Maßnahmen (Nasenmasken, Salzwasserlösungen etc.) über symptomatische Therapien lokal oder systemisch bis hin zur Immuntherapie wird der Patient individuell versorgt.